Gothic Friday November, die II.

Jetzt war Dani so nett, mir meine Fragen zu beantworten, jetzt dacht ich mir, es wär vielleicht interessant, die selben Fragen mal für mich selbst zu beantworten. Erstens um mich mal selbst mit mir auseinander zu setzten und meinen Motiven - vielleicht geht mir dann doch noch das ein oder andere Licht auf - und zweitens weils mich grad interessiert....

1. Warum trägst Du schwarz?

Weil ich es mag. Weils praktisch beim waschen ist (man muss nix sortieren) und weils mir steht. Und weil man sich damit einfach ein bissl vom Rest der Welt abhebt und distanziert. Wobei ich dazu sagen muss, dass ich nicht reinschwarz trage, geht schon gar nicht wegen dem Beruf. Ich bezeichne mich eher als dunkelbunt. Sehr dunkelbunt. ;)

2. Hast Du viele Freun
de, die auch »schwarz« sind oder bewegst Du Dich eher in einem »bun­ten« Umfeld?

Sowohl als auch... ich mach Freundschaften nicht an Klamottenfarben und Szenezugehörigkeit fest. Natürlich tut man sich mit "Schwarzen" leichter, es gibt einfach mehr Überschneidungen bei den Interessen, der Musik und den Veranstaltungen, aber ich hab auch etliche "Buntis" unter den Freunden. Und manchmal stell ich fest, dass etliche, die ich heute als "Bunt" wahrnehme gar nicht immer so bunt waren. Irgendwie denk ich immer, man zieht Menschen, die einem ähnlich sind an.

3. Besucht du außer­halb von Fes­ti­vals oder Kon­zer­ten auch andere kul­tu­relle Ver­an­stal­tun­gen mit schwar­zem Cha­rak­ter (Lesun­gen, Aus­stel­lun­gen, Museen), oder steht für Dich nur die Musik im Vordergrund?

Da kommt jetzt drauf an was man unter kulurellen Veranstaltungen und schwarzem Charakter versteht... Aber eher eigentlich nicht. Mein Zugang zur Szene ist die Musik, musikalische Veranstaltungen, Konzerte und vielleicht mal ein Picknick. Da treib ich mich dann doch lieber in ganz schnöden Museen rum wo ich noch was für mein Hobby (Reenactment) mitnehmen kann.

4. Siehst du dich selbst als Goth(ic)?


Hmmm... ich würd mich eher als Grufti bezeichnen denn als Gothic. Gothic hat für mich immer einen negativen Beigeschmack des modischen, des Möchtegerns. Ich weiß ned warum, aber ich mag das Wort nicht. Für mich selbst bezeichne ich mich einfach lieber als Grufti. Das assoziere ich mit schwarz, verschroben (auf eine positive Art und Weise) und ein bissl verrückt. Zumal Grufti für mich mehr beschreibt als Gothic. Gothics sind für mich edle, arrogante, unnahbare Wesen. Und das bin ich nicht... ich bin so viel, ich lass mich ned in eine Schublade stecken, weil mir jeden Tag nach einem anderen Stil ist.

5. Was wür­dest du Dir in oder für die schwarze Szene wün­schen, damit sie (noch mehr) dei­nen Vor­stel­lun­gen ent­spricht? Was stört Dich, was fehlt?

Ich würd mir allem voran mehr Toleranz in der Szene selbst für sich selbst wünschen. "Alle" (ja, ich pauschalisier da jetzt einfach mal) fordern immer Toleranz für sich, aber wenn dann von Ihnen selbst Toleranz gefordert wird, dann beißts aus. Des macht mich fuxig... und zwar richtig.

Ansonsten wär es vielleicht nett, wenn man sich ned immer so ernst nehmen würd. Lachen und vorallem über sich selbst Lachen hat noch keinem geschadet. Und persönlich fehlt mir halt bei uns in der Ecke ab und an noch mal eine Veranstaltung. Vorallem mal was romantisches... Aber Oberbayern halt. Da kann ich glaub ich warten bis ich wirklich ein Grufti bin... ^^

6. Was war das klischeehafteste was du als „Gruftie“ je getan/ angezogen/.... hast?


Ich glaub, des war als wir zur Underworld Premiere aufgelaufen sind. Ich in Pseudo-Mittelalterkleid aus schwarzem Samt und Samtumhang und dramaaaaatischem Make up. Oder was immer ich darunter verstand....
7. Worin bist du so richtig Klischeehaft?

Ist es Klischeehaft ewig an Outfits rumzubasteln? Ewig zu überlegen, zu planen und zu nähen für ein WGT Outfit?
Ach ja... mein schwarzer Mantel. Der ist so richtig Gotenklische. Schwarz, lang und mit Stehkragen.

8. Wie bist du überhaupt zum „gruftiesein“ gekommen?

Eigentlich total seltsam... ich stand immer schon auf opulentes Make up, dunkle, wallende Kleidung. So auf den typischen Walla-Walla Look halt. Ich wusste aber lang nicht, dass es dafür eine Bezeichnung und eine Szene gibt. Ich war - ganz das Landei - lang einfach Disco-Kiddie und später dann eher Techno-Freak. Durch einen dummen Zufall bin ich dann übers Hobby auf eine Gruppe gestoßen, die alle schwarz angezogen waren, Metal und Gothic-Zeuch hörten und irgendwie alle "Goten" waren. Und dafür gabs eine Bezeichnung.... das war GOHTIC.... WOW, für mich war das eine Erleuchtung als ob jemand einen Landebahnstrahler vom Airport angeschaltet hätte... Ich wusste plötzlich wo ich hingehör! Ja, und dann hab ich mich nach und nach weiter eingearbeitet... es hat zwar dann länger gedauert - leider auch eine Scheidung lang - aber ich habs dann auch irgendwann aufs WGT geschafft und geh inzwischen in dem, was sich so schwarze Szene nennt, total auf. Ich fühl mich da einfach Daheim.

9. Wie oft wurdest du mit dem Satanistenklischee konfrontiert und was hast du darauf geantwortet?


X-mal... immer wieder. Von Polizisten, Priestern, Normalen und und und. Bei manchen versuch ich Aufklärungsarbeit zu leisten, meistens sag ich gar nix mehr. Bringt eh meistens nix... einfach freundlich lächeln und gut sein lassen.

Mein krassestes Erlebnis war wahrscheinlich der Priester in Salzburg. Wir liefen aufgestylt durg Salzburg, wir wollten in der Kulisse der Altstadt Fotos machen. Als w
ir so durch die Getreidegasse wanderten, kam uns ein Priester entgegen. Bei unserem Anblick hat er die Straßenseite gewechselt und uns über die Straße weg sein Kreuz entgegengereckt.

Ach ja, und der Bekannte einer guten Freundin. Der ist der festen Meinung, alles was ein Schwarzkittel ist (egal ob Metaller, Grufti oder sonstwas), sei Satanist. Und ist davon auch nicht abzubringen. Da sagt man dann irgendwann nix mehr...

10. Mit welcher Szeneecke kannst du dich überhaupt nicht identifizieren?

Gute Frage... da muss ich wirklich gut überlegen. Irgendwie weiß ich ja, dass jeder in seiner Ecke glücklich is und ich gesell mich ja gern mal einfach mal so dazu. Ich hab ja keine Stammecke. Gut, was mir in letzter Zeit immer mehr auf den Geist geht sind Glühwürmchen. Ich hab ja selber einige Cyberklamotte und bin lang so rumgelaufen und direkt hässlich find ich es ja immer noch nicht, aber dieses Megageblinke und gestrahle geht mir gewaltig auf die Nerven. Grad wenn ich selber tanzen will und dabei geblendet werde.

Gothic Friday November

Seit Januar gibt es auf Spontis die Aktion Gothic Friday. Die Autoren denken sich ein Thema aus und Gastschreiber und interessierte verfassen einen Artikel dazu.


Der Gothic Friday November hat mich jetzt so fasziniert und inspiriert, dass ich selber mal mitmachen wollte und so ist mein erster Beitrag für Spontis entstanden. Wobei ich dabei ja am allerwenigsten zu tun hatte… ^^


Ich hab mir für das Interview einen Freund von mir ausgesucht, von dem ich weiß, dass er schon länger „schwarz“ ist und sich ab und an auch auf szenetypischen Veranstaltungen rumtreibt. Dani ist inzwischen 26 und – meiner Definition nach – eine Mischung aus Waver und Psychobilly. Oder sowas in die Richtung.


Das ist das einzige Foto, dass ich von Dani im Moment hab... mit mir zusammen auf der Overdose. Irgendwie ist er ein weng Kamerascheu...

Und nun lassen wir ihn mal zu Wort kommen:

1. Warum trägst Du schwarz?

Weil es die einzige „Farbe“ ist die mir gefällt... teilweise zwar mit farbigen Akzenten, aber meist halt großteils schwarz. Und weil Goethe vielleicht recht hatte... oder auch nicht....

Einwurf des Autors: Zitat Goethe „Nur Kinder und einfache Leute mögen lebhafte Farben“

2. Hast Du viele Freunde, die auch »schwarz« sind oder bewegst Du Dich eher in einem »bun­ten« Umfeld?

Ich habe einige Freunde aus dem „schwarzen“ Umfeld, aber auch Freunde die nicht wirklich „Grufties“ im weitesten Sinne sind. Eine gesunde Mischung wie ich denke.

3. Besucht du außer­halb von Fes­ti­vals oder Kon­zer­ten auch andere kul­tu­relle Ver­an­stal­tun­gen mit schwar­zem Cha­rak­ter (Lesun­gen, Aus­stel­lun­gen, Museen), oder steht für Dich nur die Musik im Vordergrund?

Für mich steht szenetechnisch die Musik im Vordergrund. Wenn ich Ausstellungen und Museen besuche sind diese meist nicht in einem direkten Kontext zur schwarzen Szene zu sehen. Eventuell sind die Veranstaltungen stark von „Grufties“ frequentiert, aber nur weil alle hinrennen muss ich da nicht hin.

4. Siehst Du Dich selbst als Goth(ic)?

Im weitesten Sinne schon. Musikalisch auf jeden Fall und ich denke das ich auf jeden Fall zur „schwarzen Szene“ gehöre, meine meisten guten Freunde sind „Goth“, und auf den Veranstaltungen fühle ich mich einfach wohl, zumindest meist. Und wenn nicht liegt das selten an den Leuten...

5. Was wür­dest du Dir in oder für die schwarze Szene wün­schen, damit sie (noch mehr) dei­nen Vor­stel­lun­gen ent­spricht? Was stört Dich, was fehlt?

Ich glaube gar nicht, dass etwas fehlt. Das einzige was stört ist das was überall stört, nämlich Menschen die meinen sie wären besser als alle anderen. Die meinen, Sie hätten den einzig waren Weg des „gothseins“ gefunden. Nichts gegen etwas kultivierte Arroganz, aber wenn Leute sowas ernst meinen wird’s seltsam, störend. Ein bisschen mehr Selbstironie und über sich selbst/ uns lachen, ich glaube das täte einigen ganz gut.

6. Was war das klischeehafteste was du als „Gruftie“ je getan/ angezogen/.... hast?

Ich glaube der Sommer in dem ich das Haus bei egal welchen Temperaturen immer mit Hemd, Weste, Schnürhose, Stiefeln, Mantel, Zylinder und Regenschirm verlassen habe. Solcherart dann durch die Stadt zu flanieren, nur des flanieren willens... ich denke das war das Klischeehafteste...

7. Worin bist du so richtig Klischeehaft?

Weis nich, sag dus mir…

Einwurf vom Autor: Wenn Akribische Haartollen und Kämme in Hosentaschen zum Klischee gehören, dann bist du damit Klischeehaft. Und die Jacke… die tolle, uralte, zusammengebastelte Jacke. Die ist zwar mehr Punk, aber sie ist Klischee.

8. Wie bist du überhaupt zum „gruftiesein“ gekommen?

Mit 14/15 über Freunde, die Musik hat gefallen, der Stil hat zugesagt... seitdem natürlich entsprechende Evolution... wie das halt so ist

9. Wie oft wurdest du mit dem Satanistenklischee konfrontiert und was hast du darauf geantwortet?

Immer wieder.... Extremstes Beispiel is wohl das in meiner Schule mal das Gerücht aufkam ich und ein Freund hätten die Katze meiner Nachbarin (die hatte keine Katze...) gefangen, in einem Ritual geschlachtet und die Überreste über ihren Zaun gehängt. Als ich dann irgendwann davon erfahren hab, hab ich einen Moment lang die Gesichter genossen... Danach hab ich lauthals gelacht, und mich darüber amüsiert auf was für Ideen die Leute kommen. Irgendwann hatte sich das dann verlaufen...

Und einfach drüber lachen hat bisher am besten funktioniert

10. Mit welcher Szeneecke kannst du dich überhaupt nicht identifizieren?

Am ehesten warscheinlich mit diesen Uniform-Neofolkern. Vor allem mit denen die die Uniformen mit seeeeehr grenzwertigen Verzierungen versehen…


Kurz und knackig...